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Meerschweinchen - Die pflegeleichten Nager

Meerschweinchen gehören neben Kaninchen zu den beliebtesten Nagern in Deutschen Haushalten. Auch wenn die lebendigen Tiere mit ihren flauschigen Fell zum Knuddeln einladen, sollten sie trotzdem nicht als Kuscheltiere angesehen werden. Sie sind von Natur aus äusserst scheu und brauchen viel Zeit um sich an den Menschen zu gewöhnen. Ein Vertrauensverhältnis kann nur mit viel Geduld aufgebaut werden. Ihr ruhiges und starres Verhalten wenn man sie auf den Arm nimmt wird oft falsch interpretiert. Den Tieren ist es dabei unwohl und sie haben Angst. In dieser ungewohnten und einengenden Situation sind sie äusserlich ruhig und starr, innerlich jedoch enorm angespannt.

Bevor man eine Gruppe von Meerschweinchen in die Familie aufnimmt, sollte man sich genau über die Kleintiere informieren. Nur so kann sichergestellt werden, daß von Beginn weg alles richtig gemacht wird und sich die Nager in der neuen Umgebung wohl fühlen.

Erstanschaffung

Bevor man die Meerschweinchen im Tierheim oder bei einem Züchter kauft, sollte man ihr zukünftiges Zuhause einrichten. Wo kein Garten vorhanden ist, werden die Tiere in der Wohnung oder Haus gehalten. Dabei muss man darauf achten, dass die Mindestgröße des Käfigs bei zwei Tieren zwei Quadratmeter sind. Möchte man eine größere Gruppe beheimaten, so muss auch das Gehege vergrößert werden. Meerschweinchen brauchen viel Bewegung und entsprechend auch einiges an Platz. Wer mit dem Platz sparsam umgehen muss, kann den Käfig mit mehreren Ebenen ausstatten und so den Tieren mehr Fläche bieten.

Im Sommer können die Tiere auch im Freien gehalten werden. Es ist jedoch darauf Rücksicht zu nehmen, dass die hitzeempfindlichen Nager jederzeit einen schattigen Rückzugsort haben. Ansonsten können die Nager einen Hitzeschlag erleiden und daran sterben. Wer die Tiere während den warmen Monaten auch im Freien übernachten lassen will, muss sicherstellen, daß Füchse oder Marder keinen Möglichkeit haben, sich Zugang zum Käfig zu verschaffen.

Ob Innenkäfig oder Aussengehege, die Nager müssen mehrere Rückzugsorte und Versteckmöglichkeiten haben, da Meerschweinchen Fluchttiere sind. Dies müssen keinesfalls unbedingt Produkte aus der Zoohandlung sein. Mit wenig Fantasie lassen sich tolle Höllen, Häuschen und Spielmöglichkeiten basteln. Neben den Meerschweinchen werden auch die Kinder daran ihre Freude haben. Weiter müssen sie mindestens eine Trinkmöglichkeit, sowie eine Heuraufe haben. 

Haltung der Meerschweinchen

Da Meerschweinchen soziale Geschöpfe sind, dürfen sie nur in Gruppen von mindestens zwei, besser jedoch drei oder mehr Tieren gehalten werden. Bei der Zusammensetzung der Gruppe sind einige Grundregeln zu beachten. Männchen sollten stehts kastriert werden, da diese bereits nach wenigen Wochen zeugungsfähig sind. Im Gegensatz zu Kaninchen ist es bei Meerschweinchen denkbar mehrere Böcke in einem Gehege zu halten. Jedoch sollte man darauf verzichten zwei Jungböcke in die Gruppe zu integrieren, da dies zu Streitigkeiten führen kann. Einen älteren Bock mit einem Babybock zu kombinieren ist in den meisten Fällen kein Problem. In dieser Kombination lernt das jüngere Tier die sozialen Regeln vom älteren.

Wir empfehlen jedoch generell jeweils nur ein männliches Tier zusammen mit einem oder mehreren weiblichen Meerschweinchen in einer Gruppe zusammen zu tun. Auch nur Weibchen zu halten ist bei dieser Gattung problemlos möglich. Am besten funktionieren Gruppen, in welchen mindestens ein älteres Tier ist. Dieses übernimmt dann sozusagen die Erziehung der Jungtiere und schaut für Ordnung. Wichtig ist, dass man das Verhalten der Gruppe beobachtet. Sollte es zu Machtkämpfen kommen, so muss man im schlimmsten Fall ein Tier abgeben.

Ernährung

Im Vergleich zu anderen Tieren haben Meerschweinchen ein sehr spezielles Verdauungssystem. Ihr Magen verfügt über zu wenig Muskeln, um die Nahrung laufend an den Darm weiterzuleiten. Dieser Umstand gleichen die kleinen Nager aus, indem sie fast durchgehend am Essen sind. Das neue Futter schiebt dann den Mageninhalt sozusagen in den Darm. 

Das wichtigste Grundnahrungsmittel für die Nager ist hochwertiges Heu. Dieses hat kaum Kalorien und ist deshalb gut geeignet, damit die Meerschweinchen ständig am Fressen sein können. Es unterstützt jedoch nicht nur das Verdauungssystem, sondern liefert neben Mineralien auch Vitamine und ist für den wichtigen Zahnabrieb der Backenzähne förderlich. Aus diesen Gründen muss immer genügend Heu im Käfig sein, welches in einer Heuraufe platziert wird. Auch die Nagetiere sind wählerisch und mögen kein Heu essen, auf welches sie vorher gepinkelt haben. Wundere dich auch nicht, wenn ein Teil der Gräser jeweils übrig bleibt und nicht gefressen wird. Nimm diese aus der Raufe und wechsle das Heu täglich. Dies ist für die Gesundheit der Tiere äusserst wichtig.

Solltest du wenig Erfahrung mit den Kleintieren haben, so musst du zu Beginn einige verschiedene Heusorten testen. Nicht alle haben die gleichen Gräser drin und kommen somit bei den Tieren auch besser oder schlechter an. Teste die unterschiedlichen Heuarten wie Blütenheu, Kräuterhei, Alpenheu oder Frischgradheu und schau was deinen Tieren am besten bekommt.

Bei frischem Gras und Kräutern muss man besonders zu Beginn vorsichtig sein. Viele Tiere reagieren mit Durchfall, da sie sich an die frischen Gräser nicht gewohnt sind. Dies heisst jedoch nicht, dass sie für die Nager schlecht sind. Man sollte sie einfach langsam daran gewöhnen und genau beobachten, ob sich der Stuhl der Meerschweinchen ändert. 

Auch Gemüse und Obst sollte auf dem Speiseplan der Nager nicht fehlen. Es ist eine gute Alternative zu frischem Gras. Auch hier wünschen sich die Tiere Abwechslung. Meerschweinchen mögen fast alle Gemüsesorten wie Brokkoli, Salat, Gurken, Karotten, Tomaten und viele mehr. Scharfes Gemüse wie Zwiebeln oder Radischen sind nicht geeignet und dürfen nicht verabreicht werden. Beim Obst kann man auf Äpfel, Bananen, Birnen, Kiwis, Trauben und andere zurückgreifen. Da die meisten Obstsorten über viel Zucker verfügen, sollten sie nicht auf der täglichen Speisekarte stehen. Im Gegensatz zum Heu muss man beim Gebüse und Obst vorsichtig sein. Durch die komplizierte Verdauung sind die Tiere anfällig und bekommen schnell unangenehme Blähungen. Wie bei den Gräsern sollte man auch beim Gemüse und dem Obst nach dem Prinzip vorgehen, dass man zu Beginn nicht zu viel verfüttert und genau beobachtet wie die Tiere reagieren. 

Ein Irrglaube ist, dass Trockenfutter aus dem Fachhandel gut für die Kleintiere ist. Die vielen positiven Sprüche und Vermerke auf den Packungen sollte man nicht beachten. Nicht selten dient es im Ernährungsplan sogar als ein Hauptbestandteil. Dies ist jedoch schlicht falsch und für die Tiere nicht gesund. Die Nahrungszusammensetzung für Meerschweinchen sollte hauptsächlich aus den oben beschriebenen Bestandteilen gebildet werden. Es kann ab und zu mit wenig Körnern ergänzt werden. Sie sind normalerweise aber gar nicht nötig. Durch die vielen Kalorien nehmen die Tiere schnell und zu viel an Gewicht zu. Eine Verfettung kann das Resultat sein.

Was man natürlich auch nicht vergessen darf ist das Wasser. Im Käfig muss mindestens eine Möglichkeit zum Trinken geboten werden. Dafür kann ein Napf oder eine Nagertränke verwendet werden. Wundere dich aber nicht, wenn das Gefäss nur wenig genutzt wird. Die Tiere nehmen je nach Nahrung einen Grossteil des Flüssigkeitsbedarf über das Essen auf.

Wir empfehlen die Nager mehrmals täglich zu füttern. Es ist jeweils ein wunderbarer Zeitpunkt um sich näher mit den Tieren zu befassen und eine Vertrautheit aufzubauen. Lass die Tiere jedoch in Ruhe fressen. Einige ziehen sich mit dem Essen auch in ein Versteck zurück und möchten ungestört und sicher sein.

Pflege der kleinen Nager

Grundsätzlich sind Meerschweinchen pflegeleichte Nager und ihre Halter müssen nicht viel beachten. Es gibt jedoch ein paar wenige Dinge, bei welchen durch die fehlende natürliche Umgebung eingegriffen werden muss. So ist es den Nagern oft nicht möglich ihre Krallen genügend abzunutzen, wie sie es beim Rumrennen in der Natur machen würden. Dadurch müssen sie von Zeit zu Zeit geschnitten werden. Wir empfehlen den Vorgang beim ersten Mal durch einen Tierarzt oder erfahrene Person machen zu lassen. Mit dem notwendigen Wissen kann man es danach auch selber ausführen. Sei dir aber bewusst, dass die Tierchen sehr quirlig sind und benutze dazu eine Nagelzange, welche du im Zoofachhandel kaufen kannst.

Langhaarmeerschweinchen erfordern ein bisschen mehr Pflege. Ihnen muss ab und zu das wachsende Haar gestutzt werden, damit es beim Laufen nicht stört und sie kein eingeschränktes Sichtfeld haben. Kurzhaarmeerschweinchen benötigen keine Haarpflege.

Immer im Auge haben muss man die Perinealtasche der Meerschweinchen. Dies ist eine kleine Hauttasche im Bereich zwischen Anus und Geschlechtsteil. Darin liegen die Perinealdrüsen, welche ein Sekret absondern. Dieses dient als sexueller Lockstoff. Nun kann es vorkommen, daß sich in der Tasche Schmutz ansammelt. Im Normalfall reinigen die Meerschweinchen dies selbstständig. Sollte das nicht der Fall sein, entwickelt sich ein sehr unangenehmer Geruch. Reinigen kann man die Perinealtasche mit Babyöl und einem Wattestäbchen. Dabei muss man jedoch sehr vorsichtig vorgehen, da eine Verletzungsgefahr für das Tier besteht.

Weiter müssen kontinuierlich die Zähne kontrolliert werden. Meerschweinchen haben ständig nachwachsende Zähne, welche sich teilweise nicht genügend abnützen. In diesem Fall müssen sie vom Tierarzt gestuzt werden. Nimmt man den Eingriff nicht vor, können die Zähne so lange wachsen, bis sie sich ins gegenüberliegende Zahnfleisch bohren. In solchen Fällen kann der Nager nicht mehr essen und verendet qualvoll.

Nicht zu empfehlen ist das Baden der Tiere. Sie übernehmen die Pflege selber oder in der Gruppe. Baden ist für sie eine unnötige Stresssituation.